1.4.26 Wo die Straße nichts schenkt
- tr7079
- 1. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Heute fahre ich die Georgische Heerstraße von Tbilisi hinauf nach Kazbegi – eine der alten Routen durch den Kaukasus, wild, geschichtsträchtig und unerbittlich zugleich.




Schon früh zeigt die Straße ihr Gesicht: Schnee liegt noch in den Höhen, die Luft ist kalt, der Himmel schwer. Die Lastwagen drängen talwärts und bergauf, dicht, laut, ungeduldig. Sie fahren, als gäbe es kein Zögern und keinen Platz für Schwäche.




Am Jvari Pass (2'395m) stehen wir eine Stunde still. Die Straße ist nur einspurig befahrbar, ein schmaler Korridor durch Schnee und Fels. Nichts geht vorwärts, nichts zurück, nur Warten in einer Landschaft, die keine Eile kennt.
Dann setzt sich die Kolonne wieder in Bewegung. Und mit ihr beginnt der eigentliche Ritt.
Die Tunnels sind dunkel, unbeleuchtet, roh in den Berg geschlagen. Der Asphalt verschwindet stellenweise völlig. Schlaglöcher, knöchel- bis knietief, reißen jeden Rhythmus auseinander. Man fährt nicht mehr, man tastet sich vorwärts, Meter für Meter.
Dazwischen die Lastwagen, schwer und unnachgiebig, immer drängend, immer präsent.
Diese Straße ist keine Verbindung, sie ist eine Prüfung. Sie verlangt Aufmerksamkeit, Respekt, Wachheit.
Und vielleicht liegt genau darin ihre Kraft: Dass sie nichts schenkt, aber alles zeigt.
Über Kazbegi – zwischen Himmel, Stein und Erinnerung
Hoch über Kazbegi steht die Gergeti Trinity Church wie ein stiller Wächter über dem Tal. Der Weg hinauf ist rau, besonders bei Schnee – und doch zieht es einen fast unweigerlich dorthin.


Vielleicht, weil dieser Ort mehr ist als nur eine Kirche. Er ist ein Punkt, an dem sich Linien kreuzen: Landschaft und Glaube, Weite und Stille – und für dich ganz persönlich auch eine Spur deiner eigenen Geschichte.
Ganz in der Nähe steht eine Berghütte, gebaut von Schweizer Händen (Altihut 3014 - Experience the magic of the Caucasus). Und irgendwo daran, vielleicht unscheinbar, vielleicht übersehen von vielen, sind Fensterläden, die ich gesponsert habe.

Dass in dieser wilden, hochalpinen Umgebung etwas von mir geblieben ist. Kein großes Zeichen, kein Monument, sondern etwas Handfestes, Nützliches. Etwas, das schützt, das schließt, das öffnet.
Während unten die Heerstraße drängt und lärmt, liegt hier oben eine andere Zeit. Der Wind trägt den Klang der Glocken, Wolken ziehen langsam über den Mount Kazbek (5033m), und alles wirkt ein wenig weiter, klarer.
Vielleicht ist es genau das, was diesen Moment so besonders macht: Dass sich das Unterwegssein für einen Augenblick verwandelt, in ein Ankommen.



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