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Weltlinien.ch


10.4.26 Rückkehr mit weitem Blick
Nach der unerwarteten Panne in Rize nimmt meine Reise eine neue Richtung. Nicht mehr ostwärts entlang der Seidenstraße, sondern Schritt für Schritt zurück. Und doch fühlt es sich nicht wie ein Rückzug an – eher wie ein bewusstes Heimkehren. Die erste Etappe führt mich von Rize nach Sinop. Noch einmal begleitet mich die Schwarzmeerküste mit ihrem rauen, ehrlichen Charakter. Das Meer, die Kurven, die Weite – vieles wirkt vertraut, fast wie ein stiller Abschiedsgruß. Im Otel Bos


3.4.26 Aufbruch und Bruch
Der Tag beginnt leicht. Batumi liegt noch ruhig im Morgen, und der Grenzübertritt gelingt fast mühelos, eine halbe Stunde, kaum Wartezeit, ein stilles Weitergleiten. Es ist einer dieser seltenen Momente auf Reisen, in denen alles fliesst. Die Strasse entlang des Schwarzen Meeres führt mich südwärts, das Wasser zur Rechten, die Hügel zur Linken. Höhe Rize (Türkei), der Verkehr gleichmässig, die Gedanken weit, dann ein einziger, harter Knall. Stille. Die Kette ist gerissen. Was


1.4.26 Nicht jeder Weg will gegangen werden
Die ruhigen Tage in Tbilisi nutze ich für Gespräche, Recherchen, Abwägungen. Es sind viele Stimmen, und doch zeigen sie alle in eine ähnliche Richtung. Erfahrene Bergführer, Menschen mit tiefer Russlandkenntnis, raten mir ab. Auch die Einschätzungen aus den Reise-Communities bleiben widersprüchlich. Was bleibt, ist ein Gefühl: Unsicherheit. Die geopolitische Lage ist angespannt, schwer berechenbar. Gerade die Route durch Tschetschenien gilt als besonders heikel. Offizielle St


1.4.26 Wo die Straße nichts schenkt
Heute fahre ich die Georgische Heerstraße von Tbilisi hinauf nach Kazbegi – eine der alten Routen durch den Kaukasus, wild, geschichtsträchtig und unerbittlich zugleich. Schon früh zeigt die Straße ihr Gesicht: Schnee liegt noch in den Höhen, die Luft ist kalt, der Himmel schwer. Die Lastwagen drängen talwärts und bergauf, dicht, laut, ungeduldig. Sie fahren, als gäbe es kein Zögern und keinen Platz für Schwäche. Am Jvari Pass (2'395m) stehen wir eine Stunde still. Die Straße


31.3.26 Zwischen Ewigkeit und Augenblick
Ich besuche zwei Orte, beide erzählen dieselbe Geschichte – die eines Landes zwischen Vergangenheit und Zukunft. Georgien wirkt wie ein Ort, der beides gleichzeitig lebt: tiefe Wurzeln und eine erstaunliche Offenheit. Die zwei Orte sind die Sameba: Sammlung, Tradition, Tiefe, Jahrhunderte und die Fabrika: Bewegung, Gegenwart, Leichtigkeit, Augenblick Die Holy Trinity Cathedral of Tbilisi – oft einfach „Sameba“ genannt – ist weit mehr als nur eine Kirche. Sie ist ein Symbo


31.3.26 Zwischen den Jahreszeiten
Über den Hügeln von Tbilisi liegt heute eine stille Erwartung. Im Mtatsminda Park stehen die Fahrgeschäfte noch still, als würde der Ort erst langsam erwachen. Was sonst von Kinderlachen getragen ist, wirkt jetzt beinahe nachdenklich. Ich bin wahrlich kein ängstlicher Mensch, aber auf diesen Turm würde ich nie im Leben steigen. Am Turtle Lake breitet sich eine ruhige Gelassenheit aus. Das Wasser liegt glatt, die Schritte entlang des Ufers sind langsam, fast vorsichtig – als w


29.3.26 Dawit Garedscha – Stille, Stein und ein Hauch von Ewigkeit
Heute führte mich der Weg zum Kloster Dawit Garedscha, eine Reise, die schon in der Anfahrt ihren eigenen Charakter zeigt. Die letzten zwölf Kilometer: Schotter, aufgeweichter Boden, Spuren von Regen. Der Weg fordert Aufmerksamkeit, Geduld – und vielleicht auch ein kleines Vertrauen darauf, dass sich die Mühe lohnt. Hinzu kommt eine besondere Spannung: Die Strecke verläuft unmittelbar entlang der Grenze zu Aserbaidschan. Immer wieder tauchen Hinweisschilder auf, die unmissver


28.3.26 La Francophonie in Tiflis – ein Abend zwischen Alpen und Kaukasus
Gestern Abend öffnete die Schweizer Botschaft in Tiflis ihre Türen zu einem besonderen Anlass: La Francophonie. Ein Begriff, der weit mehr ist als nur die gemeinsame französische Sprache – er steht für kulturellen Austausch, für gelebte Vielfalt und für das Verbindende zwischen Ländern und Menschen. Heidi Grau ist noch bis Sommer 26 die Schweizer Botschafterin in Tiflis. Im Zentrum des Abends stand ein interkulturelles Quiz – eine ebenso spielerische wie kluge Idee. Fragen au


28.3.26 Industrie, Zerfall und ein schwieriges Erbe
Gestern besuchte ich das Stahlwerk GeoSteel in Rustavi, einer Stadt, die untrennbar mit der Industriegeschichte der Sowjetunion verbunden ist. (2 alte Bilder Wikipedia) Rustavi liegt südlich von Tiflis, nahe der Grenze zu Armenien und Aserbaidschan, und wurde ab den 1940er-Jahren gezielt als Industriestandort aufgebaut. Die Stadt ist kein historisch gewachsenes Gefüge, sondern das Ergebnis einer politischen Entscheidung: Stahlproduktion, Chemie und Schwerindustrie sollten hie


26.3.26 Chronicle of Georgia – Monument zwischen Himmel und Geschichte
Am Rand von Tiflis erhebt sich die Chronicle of Georgia wie ein steinernes Gedächtnis. Geschaffen wurde dieses monumentale Werk vom georgischen Künstler Zurab Tsereteli in den 1980er-Jahren – ein Projekt, das bis heute unvollendet wirkt und gerade dadurch etwas Zeitloses ausstrahlt. Die Georgische Chronik besteht aus 16 massiven Bronzesäulen, die 30 bis 35 Meter hoch sind und mich als Menschen klein und unbedeutend erscheinen lassen. Die gewaltigen Säulen scheinen nicht gebau


25.3.26 Zwischen Zahn, Zeit und Zerfall – Gedanken aus Tiflis
Es sind oft die kleinen Dinge, die eine Reise unerwartet erden. Ein abgebrochener Zahn zum Beispiel. Was zunächst wie ein Ärgernis wirkt, wird hier in Tiflis zu einer stillen Erfahrung von Vertrauen und Handwerk. In einer unscheinbaren Praxis, irgendwo zwischen bröckelnden Fassaden und lebendigen Innenhöfen, sitzt mir die Zahnärztin Dr. Marina Berozashvili, gegenüber, konzentriert, ruhig, präzise. Eine Stunde später ist alles wieder ganz. Fast unsichtbar. Fast wie neu. (gekos


24.3.26 Medea - ein Haus, das nicht schweigt
Ich betrete das Sanatorium Medea mit langsamen Schritten. Nicht aus Vorsicht vor dem Verfall – sondern aus Respekt. Die hohen Säulen, die weiten Treppen, die offenen Fluchten der Korridore erzählen von einer Zeit, in der hier Gesundheit verordnet wurde wie ein Versprechen. In den 1950er- und 60er-Jahren war Tskaltubo ein Ort der Hoffnung: Menschen aus der ganzen Sowjetunion kamen hierher, um in den radonhaltigen Quellen Linderung zu finden. Auch Medea war Teil dieses grossen


22.3.26 Spiegel der Zukunft
Am südlichen Rand von Batumi, dort, wo die Stadt sich neu erfindet, liegt ein Ort, der zugleich laut und still ist. Der "New Boulevard". Glas und Beton wachsen hier in den Himmel, kühn geformt, beinahe verspielt – als wollten die Gebäude selbst zeigen, dass Zukunft keine starre Linie ist, sondern eine Idee, die sich ständig neu zeichnet. Das Courtyard-Hotel steht wie ein geöffnetes Auge, ein Tor, das den Blick hindurchführt – hinein in eine Welt, die noch im Werden ist. Und d


18.3.26 Poti – Ort des Übergangs
Poti drängt sich nicht auf. Die Stadt liegt still am Meer, als wüsste sie, dass alles, was hier zählt, nur vorüberzieht. Die Kathedrale bleibt verschlossen. Und doch ist sie da – ruhig, gesammelt, ganz bei sich. Ich halte inne und spüre: Nicht jeder Ort will betreten werden. Am Leuchtturm weht ein klarer Wind. Ein stiller Wächter zwischen Wasser und Land, der Orientierung gibt, ohne sich aufzudrängen. Im Hafen dann Bewegung. Kräne, Schiffe, Stimmen – die Welt in Arbeit. Hier


17.3.26 Ali und Nino – Begegnung im Fluss der Zeit
Am Rand des Meeres, dort, wo der Wind Geschichten trägt, stehen sie sich gegenüber: Ali und Nino. Zwei Gestalten aus Stahl – und doch so lebendig, als würden sie atmen. Ihre Geschichte reicht weiter als dieser Ort. Sie wurde erzählt von Kurban Said – eine Liebesgeschichte zwischen Welten: Ali, ein muslimischer Junge aus Aserbaidschan. Nino, eine christliche, georgische Prinzessin. Zwei Herkunftslinien, zwei Glaubenswelten, zwei Blickrichtungen auf die Welt und doch ein gemein


15.3.26 Ein stiller Tag in Batumi
Heute verbringe ich den Tag in Batumi. Die Stadt empfängt mich überraschend ruhig. Vielleicht liegt es an der Nebensaison, vielleicht auch daran, dass Batumi trotz seiner modernen Fassaden eine gewisse Gelassenheit bewahrt hat. Die Straßen sind nicht hektisch, die Menschen gehen ihrem Alltag nach, und über allem liegt diese entspannte Atmosphäre einer Stadt am Meer. Mein Weg führt mich zuerst zur berühmten Skulptur Ali and Nino Statue an der Uferpromenade. Die beiden Figuren


14.3.26 Gleiches Meer – anderes Land, ein Grenzübertritt mit Tiefe
Heute verlasse ich die Türkei und betrete zum ersten Mal in meinem Leben Georgien. Ein stiller, fast unspektakulärer Moment – und doch einer, der sich einprägt. Der Grenzübertritt verläuft erstaunlich unkompliziert. Auf der türkischen Seite muss ich noch eine kleine Formalität erledigen: eine Geschwindigkeitsbusse von umgerechnet CHF 5.70. Danach öffnet sich die Schranke zur nächsten Etappe meiner Reise. Auf georgischer Seite interessiert sich der Zöllner freundlich für meine


13.3.26 Hopa – Tor zum Meer, dem Tee und den Bergen
Jetzt ist sie also zu Ende, meine Reise entlang der türkischen Schwarzmeerküste. Ab morgen betrete ich Georgien. Die letzten 350km bei strahlender Sonne entlang dem pontischen Gebirge, welches parallel zur Küste verläuft und bis zu 3’900m hohe Berge hat, verlaufen ruhig. Immer mal wieder kann man die dick verschneiten Berge zwischen den Hügeln sehen. Kurz vor der Grenze stauen sich kilometerlang LKW’s und warten wohl auf die Zollabfertigung. So etwas habe ich noch nie gesehen


12.3.26 Motorrad-Yoga am äussersten Zipfel
Çam Burnu fühlt sich ganz anders an als das raue İnceburun. Der Name bedeutet tatsächlich „Kiefernkap“, und wenn man dort ankommt, steht man oft mitten in einem stillen Kiefernwald, der bis fast ans Meer reicht. Der Duft von Harz liegt in der Luft, und zwischen den Stämmen öffnen sich immer wieder Blicke auf das Schwarzes Meer. Es ist einer dieser Orte, an denen Wald und Meer ineinander übergehen. Viele Türken kommen hierher zum Picknick, aber ausserhalb der Saison kann es er


11.3.26 Am "Nordkap" der Türkei
Ganz im Norden der Türkei endet das Land in einer schmalen, felsigen Landzunge: İnceburun, der nördlichste Punkt Anatoliens. Als ich dort ankomme, bin ich allein. Nur der Wind, das Meer und ich. Der Ort erinnert mich an das Nordkap. Auch hier ist die Landschaft rau und offen, das Licht kühl, der Wind ungebändigt. Unter mir brandet das Schwarze Meer gegen die dunklen Felsen, weisse Schaumkronen treiben über das stahlblaue Wasser. Der alte Leuchtturm steht ruhig in dieser Weite
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