10.4.26 Rückkehr mit weitem Blick
- tr7079
- 13. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Nach der unerwarteten Panne in Rize nimmt meine Reise eine neue Richtung.

Nicht mehr ostwärts entlang der Seidenstraße, sondern Schritt für Schritt zurück. Und doch fühlt es sich nicht wie ein Rückzug an – eher wie ein bewusstes Heimkehren.
Die erste Etappe führt mich von Rize nach Sinop.

Noch einmal begleitet mich die Schwarzmeerküste mit ihrem rauen, ehrlichen Charakter. Das Meer, die Kurven, die Weite – vieles wirkt vertraut, fast wie ein stiller Abschiedsgruß. Im Otel Bossinop finde ich Ruhe.

Weiter geht es nach Sakarya. Der Verkehr wird dichter, die Landschaft geordneter, der Rhythmus schneller. Im Del Lago Hotel spüre ich bereits den Übergang – weg von der Weite des Ostens, hin zur Struktur Europas.




Am nächsten Tag

erreiche ich Alexandroupolis. An der Grenze wird es mühsam, über 2 Stunden dauert es auf der griechischen Seite. Alle Türk*innen müssen ihre Fingerabdrücke hinterlegen. Mit dem Grenzübertritt verändert sich etwas, die Farben, die Gerüche, vielleicht auch meine Wahrnehmung.

Im Ramada Plaza blicke ich auf das Meer und lasse die vergangenen Wochen in mir nachklingen.
Von hier fahre ich weiter mit dem Motorrad quer durch Griechenland bis nach Igoumenitsa. Eine lange, intensive Etappe – nochmals Straße, nochmals Bewegung, nochmals dieses Unterwegssein, das mich so lange getragen hat. Der Weg führt mich dabei durch das Pindos-Gebirge, das wilde Rückgrat Griechenlands.


Wälder, Schluchten und weite Höhen begleiten mich. Es ist, als würde ich ein letztes Mal durch eine stille, ursprüngliche Landschaft getragen, bevor sich das Land langsam zum Meer hin öffnet.
Erst dort beginnt der ruhigere Teil der Rückreise: die Fähre nach Ancona. Ich bin fast allein; das Einschiffen dauert nur wenige Minuten. Über Nacht auf dem Meer, losgelöst von allem. Kein Lenken mehr, kein Planen, nur das sanfte Schaukeln zwischen zwei Welten.




In Ancona angekommen, fühlt sich alles plötzlich nah an. Europa, Ordnung, Vertrautheit. Eine letzte Übernachtung im Hotel Europa, ein letzter Abend unterwegs.
Die finale Etappe führt mich zurück nach St. Gallen. Die vertrauten Landschaften empfangen mich still. Und ich merke: Ich bin zurückgekehrt, aber nicht derselbe geblieben.
Diese Rückreise ist mehr als ein Heimweg. Sie ist ein Übergang. Ein langsames Ankommen, mit einem Blick, der weiter geworden ist.



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