31.3.26 Zwischen Ewigkeit und Augenblick
- tr7079
- 1. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Ich besuche zwei Orte, beide erzählen dieselbe Geschichte – die eines Landes zwischen Vergangenheit und Zukunft. Georgien wirkt wie ein Ort, der beides gleichzeitig lebt: tiefe Wurzeln und eine erstaunliche Offenheit.
Die zwei Orte sind die Sameba: Sammlung, Tradition, Tiefe, Jahrhunderte und die Fabrika: Bewegung, Gegenwart, Leichtigkeit, Augenblick
Die Holy Trinity Cathedral of Tbilisi – oft einfach „Sameba“ genannt – ist weit mehr als nur eine Kirche. Sie ist ein Symbol des modernen Georgiens.



Erbaut zwischen 1995 und 2004, entstand sie in einer Zeit des Aufbruchs nach dem Zerfall der Sowjetunion. Ihre schiere Größe ist beeindruckend: Sie gehört zu den größten orthodoxen Kirchen der Welt und dominiert mit ihrer goldenen Kuppel die Skyline von Tiflis.
Architektonisch vereint sie Tradition und neue Selbstvergewisserung. Klassische Elemente der georgisch-orthodoxen Baukunst – Kreuzkuppel, klare Linien, massive Steinstrukturen – werden monumental überhöht. Innen wirkt sie gleichzeitig schlicht und überwältigend: viel Raum, viel Licht, und doch eine tiefe, fast greifbare Spiritualität.
Seit dem 17. März, dem Tod des Patriarchen Ilia II, ist die Holy Trinity Cathedral of Tbilisi spürbar voller geworden.


Menschen kommen, verweilen, zünden Kerzen an. Es ist kein hastiges Kommen und Gehen, sondern ein stilles Bleiben.


Zwischen Ikonen und Gesängen liegt eine dichte Ruhe. Der Abschied ist nicht laut – eher getragen, fast behutsam. Als würde die Zeit langsamer fließen.
Hier wirkt der Tod nicht wie ein Ende. Er verbindet.
Fabrika – gelebter Kontrast
Ganz anders – und gerade deshalb so spannend – ist die Fabrika Tbilisi.


Was früher eine sowjetische Nähfabrik war, ist heute ein pulsierender Mikrokosmos der jungen Stadt. In den Innenhöfen treffen sich Reisende, Kreative, Studierende und Einheimische. Überall Farbe: Graffiti, Wandmalereien, improvisierte Möbel, offene Türen.
Hier lebt ein anderes Tiflis: Co-Working-Spaces statt Gebetsräume, Espresso und Craft Beer statt Weihrauch, Gespräche über Ideen, Projekte und Reisen statt Liturgie.
Und doch ist auch hier etwas sehr Ursprüngliches spürbar: Gemeinschaft. Ein offenes, ungezwungenes Zusammensein, das fast ebenso verbindend wirkt wie die Rituale in der Kathedrale. Wir essen eine wunderbare Pizza, mit dem Gutschein, den wir beim Francophonie-Quiz gewonnen haben.




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