Ein Schiff an Land – und weiter zu den Lofoten
4.9.2026 Unser erster Besuch gilt der Inga Sámi Siida bei Sortland. Leider stehen wir vor verschlossenen Türen – schade, denn gerne hätten wir noch einmal etwas mehr über das Leben und die Rentierhaltung der Sámi auf den Vesterålen erfahren.


Dafür erwartet uns in Stokmarknes eine echte Überraschung: das Hurtigrutenmuseum.



Stokmarknes gilt als Geburtsort der Hurtigrute. Hier gründete Kapitän Richard With 1893 jene regelmäßige Schiffsverbindung, die für die abgelegenen Orte entlang der norwegischen Küste zur Lebensader werden sollte. Am 2. Juli 1893 brach die DS Vesteraalen zur ersten Fahrt von Trondheim nach Hammerfest auf – und erreichte ihr Ziel drei Tage später sogar 45 Minuten vor der vorgesehenen Zeit.




Das Museum ist schon von außen spektakulär. Unter einer riesigen Konstruktion aus Stahl und Glas steht ein komplettes Hurtigrutenschiff: die MS Finnmarken von 1956. Sie wurde bei Blohm & Voss in Hamburg gebaut, galt damals als eines der modernsten Schiffe an der norwegischen Küste und blieb bis 1993 im Liniendienst. Danach wurde sie dem Museum geschenkt und 1999 in Stokmarknes an Land gesetzt.
Man kann sich auf dem Schiff frei bewegen, durch Kabinen, Speisesaal, Kombüse und über die Brücke gehen und tief hinunter bis in den Maschinenraum steigen. Vieles ist im Originalzustand erhalten. Besonders schön sind für mich natürlich die feinen Holzarbeiten im Speisesaal – man spürt noch etwas von jener Zeit, in der ein Schiff nicht nur Transportmittel, sondern auch ein sorgfältig gestalteter Lebensraum war.



Fast ebenso eindrücklich ist die Geschichte seiner Rettung. Als die Finnmarken 1993 ausgemustert werden sollte, setzte sich der ehemalige Kapitän Sten Magne Engen dafür ein, das Schiff zu erhalten. Daraus wurde ein jahrzehntelanges Projekt. Sogar der 55 Tonnen schwere Gästesalon der noch älteren DS Finnmarken von 1912 wurde später in den Niederlanden aufgespürt, nach Stokmarknes gebracht und mit den damaligen handwerklichen Methoden restauriert. 2021 eröffnete schließlich das heutige Museum – nach einem Umbau von rund 200 Millionen norwegischen Kronen.
Das Ganze wirkt auf mich weniger wie ein gewöhnliches Museum als wie ein riesiges Flaschenschiff, in das man hineinsteigen kann. Und gleichzeitig versteht man plötzlich besser, weshalb die Hurtigrute für die Menschen entlang dieser zerklüfteten Küste so viel mehr war und ist als eine touristische Schiffsreise: Sie transportierte Menschen, Post und Waren und verband Orte miteinander, die auf dem Landweg oft nur schwer erreichbar waren.
Am nächsten Morgen heißt es Abschied nehmen. Wir bringen unseren Freund Stefan zum Flughafen und fahren anschließend nochmals nach Narvik – ich habe in unserer Unterkunft etwas vergessen.




Ein kleiner Umweg wäre das ja noch gewesen, aber unser eigentliches Tagesziel liegt in der anderen Richtung: Ballstad auf den Lofoten.
Also wieder zurück, über Brücken, entlang der Fjorde und hinein in die immer dramatischer werdende Bergwelt der Lofoten. Über Svolvær


geht es schließlich weiter nach Ballstad. Es wird ein sehr langer Tag im Auto – aber einer jener Fahrtage, bei denen die Strecke selbst zum Erlebnis wird. Hinter jeder Kurve öffnet sich ein neues Bild: steil aus dem Meer aufragende Berge, schmale Fjorde, kleine Fischerdörfer und immer wieder dieses besondere nordnorwegische Licht.

Am Abend sind wir froh, endlich in Ballstad anzukommen. Müde von den vielen Kilometern – und gleichzeitig erfüllt von einer Küsten- und Berglandschaft, an der man sich eigentlich niemals sattsehen kann.



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