Mönche, Pilger und Wikinger - Munkeby und Stiklestad
11.9.26 Am Morgen präsentiert sich dieser Ausblick von unserem AirBnB:

Unser erster Besuch heute gilt dem Kloster Munkeby bei Levanger.




Hier leben wieder Zisterziensermönche – Angehörige jenes Ordens, der seit dem Mittelalter für ein schlichtes Leben zwischen Gebet und körperlicher Arbeit steht.
Wir treffen einen Mönch, ursprünglich aus Frankreich, der gemeinsam mit einem Steinhauer Bodenplatten bearbeitet. Ein schönes Bild: zwei Männer, Stein, Hammer und Meissel – und eine Arbeit, die Zeit braucht. Fast scheint es, als passe dieses Handwerk besonders gut an einen Ort, an dem Hektik wenig Bedeutung hat.
Auch Käse gehört zum Klosterleben. Die Mönche stellen ihren Munkeby-Käse nach einem Rezept ihres Mutterklosters Cîteaux in Frankreich her. Verarbeitet wird unpasteurisierte Kuhmilch von Bauernhöfen aus der Umgebung, der Käse reift rund sieben bis acht Wochen.

Dass klösterliche Ruhe durchaus zu kulinarischem Erfolg führen kann, beweist eine besondere Auszeichnung: Munkeby-Käse erhielt bei den World Cheese Awards in Trondheim die Bewertung «Super Gold». Selbstverständlich kaufen wir ein Stück.
Nur wenig entfernt liegen die Ruinen des mittelalterlichen Klosters Munkeby. Vermutlich wurde es im 12. Jahrhundert gegründet und gehörte zu den nördlichsten Niederlassungen der Zisterzienser überhaupt. Schon um 1207 scheint sich das klösterliche Leben nach Tautra verlagert zu haben. Lange war sogar umstritten, ob hier tatsächlich ein Kloster gestanden hatte.



Erst ein 1906 im Vatikanischen Archiv entdecktes Dokument lieferte dafür den historischen Beweis.
Heute stehen nur noch die steinernen Mauern der Kirche. Wir tragen uns ins Gästebuch ein und ziehen weiter – für einige Kilometer zu Fuss auf dem Kong Olavs Veg, dem Pilgerweg Richtung Nidaros. Der Weg führt uns am Fluss entlang und durch einen wunderschönen Wald. Nach Kloster und Ruinen passt dieser stille Weg ausgezeichnet zu diesem Vormittag.





Später fahren wir nach Stiklestad bei Verdal – einen der bedeutendsten historischen Orte Norwegens. Hier fiel am 29. Juli 1030 König Olav Haraldsson in der Schlacht von Stiklestad. Sein Tod und seine bald darauf erfolgte Verehrung als Heiliger machten den Ort zu einem wichtigen Symbol für die Christianisierung und die Entwicklung des norwegischen Königreiches.
Wir besuchen die Stiklestad-Kirche.






Der Überlieferung nach wurde sie genau über jener Stelle errichtet, an der Olav gefallen sein soll. Ob sich das historisch tatsächlich so genau festlegen lässt, ist eine andere Frage – aber gerade diese Mischung aus Geschichte, Überlieferung und Glauben macht den Ort besonders.

Rund um die Kirche liegt das weitläufige Freilichtmuseum mit dem rekonstruierten mittelalterlichen Hof Stiklastadir.






Ein Langhaus zeigt die Welt der späten Wikingerzeit, daneben führen Gebäude und Handwerk in jene Epoche, in der sich Norwegen vom alten, nordischen Häuptlingssystem hin zu einem christlich geprägten mittelalterlichen Königreich wandelte. Handwerker zeigen alte Techniken, es geht um Landwirtschaft, Nahrung, Eisenherstellung, Gerben, Holzbau, Glauben und den ganz gewöhnlichen Alltag vor rund tausend Jahren.
Zufällig sind heute sehr viele Kinder hier. Sie bevölkern Kirche, Häuser und Höfe und machen die ganze Szenerie wunderbar lebendig. Plötzlich wirken die alten Gebäude nicht mehr wie museale Kulissen. Es wird gerannt, gefragt, ausprobiert, Bogen geschossen, Axt geworfen, Feuerstein geschlagen und gelacht – und für einen Moment bekommt man eine Ahnung davon, dass auch vor tausend Jahren solche Orte nicht still und ehrwürdig waren, sondern voller Menschen, Arbeit, Kinder und Leben.



Vielleicht ist genau das die schönste Art, Geschichte zu vermitteln: nicht nur zeigen, wie die Menschen früher lebten, sondern einen Ort schaffen, an dem Vergangenheit für einen Augenblick wieder lebendig wird.



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