Tromsø – wo die Stadt den Fjord umarmt
26.8.26 Wir wohnen in Tromsdalen, unmittelbar an der Tromsøbrua. Von hier führt die gut einen Kilometer lange Brücke direkt hinüber auf Tromsøya, die Insel, auf der das eigentliche Stadtzentrum liegt.

Direkt neben unserer Unterkunft steht eines der Wahrzeichen Tromsøs: die Eismeerkathedrale, eigentlich Tromsdalen kirke. Wir waren bereits 2013 einmal hier an einem Mitternachtskonzert.




Der 1965 eröffnete Bau des Architekten Jan Inge Hovig wirkt mit seinen steil aufragenden, gegeneinander gestellten Betonscheiben wie eine abstrakte Fortsetzung der Bergwelt rund um Tromsø. Manche sehen darin Eisberge, andere ein grosses Zelt oder die Trockenfischgestelle des Nordens. Gerade diese Offenheit macht den Bau so spannend.
Mich fasziniert besonders das Zusammenspiel von Beton, Glas und Licht. Von aussen erscheint die Kirche beinahe kühl und streng, im Innern dagegen überraschend ruhig und zurückhaltend. Beherrscht wird der Raum vom gewaltigen farbigen Glasfenster von Victor Sparre, das erst 1972 eingesetzt wurde. Je nach Tageszeit und Licht verändert sich dadurch die Stimmung im Kirchenraum.
Und obwohl sie überall Eismeerkathedrale genannt wird, ist sie streng genommen gar keine Kathedrale, sondern eine evangelisch-lutherische Pfarrkirche. Vielleicht braucht ein solches Bauwerk aber auch keinen korrekten Titel: Mit seiner Lage direkt am Tromsøysundet, am Fuss der Berge und gegenüber der Stadt ist es längst zu einem Symbol für Tromsø und den hohen Norden geworden.

Was uns an Tromsø sofort gefällt: Diese Stadt wirkt für ihre Lage weit nördlich des Polarkreises erstaunlich lebendig und urban. Entlang des Wassers entstehen ganze neue Wohnquartiere, teilweise sehr dicht, aber architektonisch durchaus spannend und gefühlt sehr wohnlich.







Zu unserer Freude entdecken wir immer wieder Holz als prägendes Baumaterial. Die Wasserstrasse zwischen Tromsøya und dem Festland heisst Tromsøysundet.
Und Wohnraum wird in Tromsø nicht nur für Menschen geschaffen: In eigens gebauten mehrstöckigen „Möwen-Hotels“ wohnen die gefiederten Stadtbewohner dicht an dicht – beste Fjordlage inklusive.


Wir nehmen uns Zeit für die Stadt und besuchen das Polarmuseum, wo die Geschichte der arktischen Expeditionen, der Jagd und des Lebens im hohen Norden erzählt wird, und das Polaria, das sich stärker der heutigen arktischen Natur und Meereswelt widmet.





Dazu kommen die wunderschöne moderne Bibliothek, das Norges arktiske universitetsmuseum, die Domkirche mitten im Zentrum und natürlich Mack, die Brauerei, dessen Geschichte in Tromsø bis 1877 zurückreicht.
Tromsø hat aber auch eine andere Seite: In der Innenstadt reiht sich gefühlt ein Souvenirladen an den nächsten. Und leider verkaufen viele davon denselben „arktischen“ Mist – Trolle, Elche, Nordlichter und Wikinger in allen denkbaren Formen, vieles davon Made in China. Gerade in einer Stadt mit so viel eigener Geschichte, Kultur und handwerklicher Tradition wirkt das ein wenig grotesk.
Davon abgesehen gefällt uns Tromsø ausgesprochen gut. Die Stadt wuselt und lebt. Cafés, Studenten, Einheimische, Fahrräder, Menschen am Wasser – und dazwischen immer wieder der Blick auf die Berge. Tromsø bezeichnet sich nicht ganz zu Unrecht als arktische Hauptstadt; trotz seiner abgelegenen Lage besitzt es ein erstaunlich reiches Kultur- und Stadtleben.




Auffällig ist auch, wie sehr sich das Stadtbild mit den Schiffen verändert. Wenn ein Kreuzfahrtschiff oder eines der Küstenschiffe anlegt, ergiesst sich für einige Stunden eine Welle von Besuchern durch die Strassen. Danach gehört Tromsø plötzlich wieder viel stärker sich selbst.






Und wir haben Glück: Sonne, angenehme Temperaturen und dieses wunderbare klare Licht des Nordens. So lässt sich Tromsø herrlich zu Fuss entdecken – über die Brücke, entlang des Tromsøysundet und immer wieder einfach irgendwo sitzen bleiben und dem Leben dieser erstaunlichen kleinen Grossstadt im hohen Norden zuschauen.



Super Bilder von Tromsø!
😍