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Wo drei Länder aufeinander treffen. Wegmarken im Leben

tr7079
8. Aug.
2 Min. Lesezeit

8.8.26 Schon die Anfahrt zum Ausgangspunkt unserer Wanderung ist ein kleines Abenteuer. Wir fahren tief hinein in die Wälder von Øvre Pasvik, in eine Landschaft, die zur westlichsten Ausdehnung der eurasischen Taiga gehört.

Unser Ziel ist der Parkplatz Grensefoss, weit draussen in der Wildnis. Die Strasse wird zunehmend schlechter, die letzten rund 20 Kilometer fahren wir über Gravel. Schlaglöcher, Steine und Schotter bremsen uns immer wieder – hier draussen bekommt bereits die Anreise etwas Expeditionscharakter.

Am Parkplatz erwartet uns ein junger norwegischer Soldat. Freundlich, aber bestimmt erklärt er uns die Regeln für die Wanderung entlang der russischen Grenze.

Ganz ohne ist dieser Weg nicht. Der markierte Weg darf nicht verlassen werden. Militärische Anlagen und Soldaten dürfen nicht fotografiert werden. Und dann fügt er beinahe beiläufig hinzu: «Heute haben sie hier einen Braunbären gesehen».

Das verleiht unserer Wanderung noch eine ganz andere Dimension. (Aber wie immer habe ich Pfefferspray und Stahlrute dabei).

Der Weg führt uns durch die stille, weite Landschaft des Øvre-Pasvik-Nationalparks. Wald, Moor und Wasser begleiten uns, und irgendwo, wenige Meter links, verläuft die Grenze zu Russland. Sie ist über weite Strecken unspektakulär und gerade deshalb so präsent. Eine Linie in der Landschaft, die politisch plötzlich eine enorme Bedeutung bekommt.

Nach rund 5.5 Kilometern und gut einer Stunde erreichen wir die Treriksrøysa auf dem Krokfjellet, das Dreiländereck von Norwegen, Finnland und Russland.

Der Grenzstein steht genau dort, wo die drei Staaten aufeinandertreffen. Normalerweise würde man bei einem Dreiländereck wohl einmal um den Stein herumgehen. Hier wäre das eine ausgesprochen schlechte Idee.

Warnschilder weisen unmissverständlich darauf hin, dass man die Treriksrøysa weder umrunden noch besteigen darf. Der Grund ist ebenso einfach wie ungewöhnlich: Dabei würde man die russische Staatsgrenze überschreiten. Und diese darf ausserhalb des offiziellen Grenzübergangs bei Storskog nicht passiert werden.

So stehen wir also unmittelbar vor Russland, nur wenige Schritte entfernt und doch durch eine unsichtbare Linie getrennt, die in diesem Moment sehr real erscheint.

Es ist ein eigenartiges Gefühl: Hinter uns die friedliche Wildnis Norwegens, neben uns Finnland und vor uns Russland. Drei Länder treffen sich an einem unscheinbaren Steinhaufen mitten in der Taiga.

Für mich bekommt dieser Moment noch eine ganz persönliche Bedeutung: Erst im April hatte ich meine Seidenstrassen-Reise an der Grenze zu Russland abgebrochen,

weil sich der Schritt in dieses Land für mich nicht richtig anfühlte, und nun stehe ich, nur wenige Monate später, wieder unmittelbar davor.

Damals habe ich mich bewusst gegen das Überschreiten dieser Grenze entschieden. Heute muss und will ich sie nicht überschreiten. Ich darf einfach hier stehen, in diese endlose Landschaft schauen und spüren, dass manche Grenzen nicht nur Länder voneinander trennen, sondern manchmal auch Wegmarken im eigenen Leben sind.

Selten haben ein paar Meter Landschaft so deutlich gezeigt, welche Bedeutung eine Grenze haben kann.

 

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